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...heißt das Internet-Portal für Debattierclubs in Deutschland.



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Debattieren international


Überblick

Studentisches Debattieren ist eine ursprünglich britische Tradition, die auf die akademischen Disputationen der mittelalterlichen Universität zurückgeht. Im Mittelalter war die Disputation die übliche Form wissenschaftlicher Auseinandersetzung, die an jeder europäischen Universität gepflegt wurde. Während die Disputation in anderen Ländern im Laufe der Neuzeit verschwand, wandelte sie sich in Großbritannien zu einer Form studentischer Geselligkeit, die sich an parlamentarischen Bräuchen orientiert. Aus wissenschaftlichen Streitgesprächen wurden so Debatten zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Die klassischen Debattierclubs sind Gründungen des frühen neunzehnten Jahrhunderts (Cambridge 1815, Oxford 1823). Ihren Ruhm verdanken sie den Staatsmännern, die aus ihren Reihen hervorgegangen sind, z.B. William Gladstone, Lord Salisbury, Herbert Asquith, Harold Macmillan, Edward Heath, allesamt britische Premierminister. Die frühere pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto hat ihren Aufstieg ebenfalls im Debattierclub zu Oxford begonnen.

Diese Tradition, deren Idealbild auch aus der Sonderstellung der Universitäten Oxford und Cambridge resultiert, hat sich im zwanzigsten Jahrhundert weit aufgefächert. Während das Debattieren in Großbritannien noch lange primär studentische Angelegenheit blieb, mit mehr und weniger ausgeprägten Beziehungen zur großen Politik, ist es in den USA zu einer Art Massensport geworden, der eher in der Schule seine Basis hat. Auch in den praktischen Formen bestehen zwischen Großbritannien und den USA erhebliche Unterschiede.

Die Ausbreitung des Englischen zu einer globalen lingua franca spiegelt sich in der Ausbreitung des studentischen und schulischen Debattierens mit internationalen Turnieren. Debattiert wird heutzutage auf sechs Erdteilen, in über 40 Nationen (u.a. USA, Kanada, Britische Inseln, Portugal, Niederlande, Baltische Staaten, Rußland, Weißrußland, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Israel, Südafrika, Singapur, Australien, Neuseeland, Philippinen, Japan). Seit 1981 gibt es Weltmeisterschaften für Studenten (2001 in Glasgow), seit 1988 auch für Schüler (2001 in Johannesburg).



Debattieren in Großbritannien


Debattieren in der Schule
In Großbritannien gilt es als selbstverständlich, daß die Freizeitgestaltung von Jugendlichen weitgehend über die Schule organisiert wird. Dementsprechend existieren für Aktivitäten jeder Art schulische Clubs und Societies. Rhetorisches Profil erwirbt man sich in Theatergruppen und Debating Clubs. - Zum schulischen Debattieren gehört die Anleitung durch einen Lehrer. Geübt werden Kreativität und Schlagfertigkeit, Toleranz und Humor. Beliebt sind auch Inszenierungen als Rollenspiel, bisweilen mit Interpretation historischer Gestalten. Bemerkenswerte regionale Unterschiede bestehen in Verbreitung und Ansehen des Debattierens: während es sich in Schottland und Wales in den letzten fünfzehn Jahren allgemeiner und wachsender Popularität erfreut, ist der Trend in England insgesamt eher rückläufig. Hier wird das Debattieren vor allem an den "Independent Schools" (Privatschulen) gepflegt und gilt als entsprechend elitär. - Britische Schulwettbewerbe in Debating und Public Speaking gibt es seit 1957. Organisiert werden sie von der English-Speaking Union (ESU) in Zusammenarbeit mit der Zeitung ‹The Observer› und dem Versicherungsunternehmen Prudential.

Debattieren an der Hochschule
Jede Hochschule, die etwas auf sich hält, hat ihren Debattierclub. Ob und wie dieser Club existiert, ist aber Sache der Studenten, die diese Clubs in Eigenregie betreiben. Landesweite Dachverbände, wie in den USA, gibt es nicht; landesweite Turniere sind erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts üblich geworden (Debating seit 1954; Mooting (Plädieren) seit 1972, Organisatoren: ESU und Observer).

Die Debattierclubs an den Traditionsuniversitäten Oxford und Cambridge sind zugleich "Student Union", das heißt sie besitzen ein Gemeinschaftshaus mit Restauration, Bibliothek und Freizeiträumen. Für die Mitglieder sind sie Orte der Geselligkeit, in denen auch debattiert wird, keineswegs aber ist jedes Mitglied aktiv im Kreis der Debattanten. Aushängeschild sind die großen Debattenabende, in denen prominente Gäste (Spitzenpolitiker, auch Staatsoberhäupter) als Hauptredner firmieren. Die Hauptdebatte ist eingerahmt von einer Vor- und Nachdebatte mit studentischen Rednern, immer beteiligt ist das Publikum. Für diejenigen, die das Debattieren lernen wollen, werden Workshops angeboten. - An anderen Universitäten ist es der Wechsel von Lunch Debate (mittägliches Training, einmal wöchentlich, auch mit Scherzthemen) und abendlicher Parliamentary Debate (Westminster Style, in festlicher Garderobe), der die Clubaktivität prägt.



Debattieren in den USA

Die Anfänge studentischen Debattierens reichen zurück bis in die englische Kolonialzeit. Die 1769 gegründete ‹American Whig-Cliosophic Society› an der Princeton University bezeichnet sich stolz als "The world's oldest college political, literary, and debate society". Seit 1922 gibt es einen regelmäßigen Austausch amerikanischer und britischer "debaters", organisiert durch die English-Speaking-Union (ESU). Für die USA charakteristisch ist die von Großbritannien deutlich abweichende Entwicklung im Sekundarschulbereich.
Debattieren in der Schule (High School)
1925 gründete sich die ‹National Forensic League›, bis heute "America's biggest interscholastic debate organisation". Sie trägt wesentlich zur Pflege der "forensic arts" in amerikanischen High-Schools bei. Als forensische Künste gelten: Debattieren, Freie Rede nach Manuskript und improvisiert, Rezitation und Verhandlungsspiele (mooting, model congress). Sie werden gleichsam als Sportarten aufgefaßt. Das gilt vor allem für das Debattieren. Es wird grundsätzlich als Wettstreit vor einer Jury mit Siegerehrung betrieben. Die Positionen der Redner werden durch Los zugeteilt, jeder Redner muß im Laufe des Verfahrens jede Seite einmal vertreten.

Die klassische (bis Ende der siebziger Jahre auch einzige) Verfahrensart ist die "Cross-Examination". Ihr Vorbild ist nicht politisch, sondern gerichtlich: es ist das Wortgefecht der Anwälte im einem Indizienprozeß. Nicht ein allgemeines Publikum, sondern ein fachlich vorgebildeter Juror soll überzeugt werden, und zwar nach streng logischen Beweisregeln. Ist die Aussprache vorüber, entscheidet der Juror auf Grundlage der eingereichten Akten. Die umfangreichen Vorstudien, die die Schüler hierfür betreiben müssen, gelten als das eigentlich Wertvolle an dieser Praxis. Weil die Qualität der Argumente für die Bewertung eine untergeordnete Rolle spielt, schult die Verhandlung selbst eher Spitzfindigkeit als Redekunst. - Die zweite typisch amerikanische Verfahrensart, und gewissermaßen Gegenstück zur Cross-Examination, ist die "Lincoln-Douglas-Debate", eine abstrakte Erörterung von Wertfragen.

Welch hohe erzieherische Bedeutung dem schulischen Debattieren beigemessen wird, zeigt sich aktuell in "Urban League Debate Programs", die Debattenformen zur Sozialarbeit in Schulen nutzen. Beispielhaft ist hier das Programm des ‹Open-Society-Institute› der George-Soros-Stiftung für New York (seit 1997). - Unübersehbar ist, daß das national durchorganisierte Turnierwesen inzwischen von ähnlichen Tendenzen beherrscht wird wie der Schulsport, der gleichfalls einen Sonderzugang zu den besten Colleges eröffnet: "Interscholastic Debating" ist in Amerika ein riesiges Geschäft geworden, an dem Stipendien und Karrieren hängen.
Debattieren in College und Universität
Auch in den Colleges wird im Cross-Examination-Modus debattiert. Das klassische Turnier ist das ‹National Debate Tournament›, das 1947 an der Militärakademie von West Point begründet worden ist. Nationale Dachverbände im College-Bereich sind der Trainer-Verband AFA (‹American Forensic Association›, gegründet 1949) und der Hochschulverband CEDA (‹Cross-Examination Debate Association›, gegründet 1971). - Seit den achtziger Jahren ist das parlamentarische Modell auf dem Vormarsch, befördert nicht zuletzt durch die Wettbewerbe der ESU und die Gründung von zwei weiteren, neuen Dachverbänden. Parliamentary Debating wird in den USA mit internationalem Flair verbunden; es verlangt mehr rhetorische Flexibilität und Allgemeinbildung. Debattiert wird hier vor Publikum; der oder die Juroren urteilen eher als Bürger, denn als Experten.



 
Zuletzt aktualisiert am 01.12.2001
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